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Gastautor: datenschutz.org

Der Text wurde von datenschutz.org zur Verfügung gestellt: Die Redaktion von datenschutz.org möchte alle Betroffenen, sowohl Datensammler als auch Dateneigentümer, mit den veränderten Gegebenheiten vertraut machen. Zu diesem Zwecke stellt das Portal Ratgeber zur Verfügung, die sich mit spezifischen Fragestellungen des Datenschutzrechtes befassen.

Die rechtliche Landschaft für dich als Content Creator im DACH-Raum steht vor einem bedeutenden Umbruch. Mit dem Blick auf das Jahr 2026 rückt insbesondere der Digital Fairness Act der Europäischen Union in deinen Fokus. Diese Regulierung zielt darauf ab, ein hohes Maß an Verbraucherschutz in der digitalen Welt sicherzustellen und unlautere Praktiken zu unterbinden. Für dich bedeutet das, dass du bewährte Strategien im Online-Marketing kritisch hinterfragen und gegebenenfalls anpassen musst, um weiterhin rechtssicher zu agieren.

Wie verändern die neuen EU-Vorgaben das Influencer-Marketing 2026?

Die neuen Richtlinien verschärfen die Anforderungen an die Transparenz deiner kommerziellen Kommunikation massiv. Während bisher oft eine einfache Kennzeichnung als „Anzeige“ oder „Werbung“ ausreichte, verlangt der Gesetzgeber ab 2026 eine noch deutlichere Trennung zwischen deinen redaktionellen Inhalten und kommerziellen Botschaften. Die EU möchte verhindern, dass die Grenze zwischen deiner persönlichen Empfehlung und einer bezahlten Kooperation verschwimmt. Das Vertrauen deiner Follower steht hierbei an erster Stelle. Du musst sicherstellen, dass deine Community zu jedem Zeitpunkt versteht, wer hinter einer Botschaft steht und ob eine Gegenleistung – sei es finanzieller Natur oder in Form von Sachleistungen – erfolgt ist. Verstöße gegen diese Transparenzpflichten können empfindliche Bußgelder nach sich ziehen, die sich am weltweiten Umsatz der beteiligten Unternehmen orientieren können.

Ein zentraler Aspekt des Digital Fairness Act ist das strikte Verbot von sogenannten Dark Patterns. Dabei handelt es sich um Benutzeroberflächen oder Gestaltungselemente, die darauf ausgelegt sind, Nutzer zu Handlungen zu verleiten, die sie unter normalen Umständen nicht vorgenommen hätten. Im Kontext deiner Affiliate-Links betrifft dies insbesondere irreführende Klick-Anreize. Beispielsweise sind künstlicher Zeitdruck durch falsche Countdowns („Nur noch 5 Minuten verfügbar“) oder das Design von Schaltflächen, die eine Abwahl eines Angebots erschweren, ab 2026 untersagt. Dein Online-Marketing muss auf Freiwilligkeit basieren. Wenn du Affiliate-Links setzt, darf deine Gestaltung den Nutzer nicht manipulieren oder dessen Entscheidungsfreiheit einschränken. Die Information über deine Provision muss klar und ohne Umwege ersichtlich sein, bevor der Klick erfolgt.

Warum ist Transparenz die Basis für faires Online-Marketing?

Transparenz ist im modernen Online-Marketing längst kein reines Compliance-Thema mehr, sondern ein entscheidender Wettbewerbsvorteil für dich. Der Gesetzgeber reagiert mit dem Digital Fairness Act auf eine zunehmende Skepsis der Konsumenten gegenüber undurchsichtigen Algorithmen und versteckter Einflussnahme. Werden Werbeabsichten von dir offen kommuniziert, stärkt dies langfristig die Glaubwürdigkeit deiner persönlichen Marke oder deines Profils. Faires Marketing bedeutet auch, dass Algorithmen nicht dazu genutzt werden dürfen, Schwachstellen von Nutzern gezielt auszunutzen, etwa durch personalisierte Werbung, die auf emotionalen Ausnahmesituationen basiert. Die Offenlegung der Logik hinter deinen Empfehlungen wird zu einer neuen Pflichtaufgabe für alle, die kommerzielle Kanäle betreiben.

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Welche strengeren Regeln gelten nun für die Ansprache von Minderjährigen?

Besonderes Augenmerk legt die EU auf den Schutz vulnerabler Gruppen, insbesondere Kinder und Jugendliche. Ab 2026 ist jegliche Form von verhaltensbasierter Werbung, die auf dem Profiling von Minderjährigen beruht, untersagt. Wenn deine Zielgruppe überwiegend jung ist, hat dies weitreichende Konsequenzen für dich. Direkte Kaufappelle, die sich an Kinder richten, oder die Ausnutzung von Unerfahrenheit und Leichtgläubigkeit werden strenger sanktioniert. Wenn du Produkte bewirbst, musst du noch genauer prüfen, ob deine Ansprache altersgerecht ist und keine unzulässige psychologische Druckausübung stattfindet. Das Ziel ist ein digitaler Raum, in dem junge Menschen vor kommerzieller Ausbeutung geschützt sind, ohne deine kreative Entfaltung als Content-Ersteller gänzlich zu unterbinden.

Konkrete Handlungsanweisungen für dich in 2026

Um den neuen Anforderungen gerecht zu werden, solltest du bereits jetzt deine Prozesse überprüfen. Dokumentiere deine Werbevereinbarungen lückenlos, um bei Rückfragen von Aufsichtsbehörden Nachweise über die Art der Kooperation erbringen zu können. Vermeide manipulative Designelemente in deinen Stories oder auf deinen Landingpages. Achte darauf, dass Werbekennzeichnungen stets gut lesbar und oberhalb des „Fold“ (also ohne Scrollen sichtbar) platziert sind. In deiner Ansprache ist es ratsam, auf eine sachliche und aufklärende Tonalität zu setzen, statt auf reißerische Versprechen.

Hier ist eine Checkliste für deine Planung:

  • Überprüfung aller genutzten Affiliate-Plugins auf Dark Patterns.
  • Anpassung der Kennzeichnungs-Icons an die neuen EU-Standards.
  • Schulung deines Teams oder deiner Partner im Bereich digitaler Verbraucherschutz.
  • Verzicht auf KI-gestützte Verhaltensanalyse bei minderjährigen Zielgruppen.

Rechtssicherheit im Online-Marketing erreichst du durch proaktive Anpassung. Der Digital Fairness Act bietet dir die Chance, dich durch ethisches Handeln von der Masse abzuheben und eine nachhaltige Beziehung zu deiner eigenen Community aufzubauen. Bleib informiert über die spezifischen Durchführungsverordnungen im DACH-Raum, da nationale Behörden oft ergänzende Leitfäden veröffentlichen.

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